Architektur und Pädagogik

Ihren endgültigen Standort erhielt die Schule mit dem Umzug in die Südstadt Grevenbroichs. Dort bezog sie zwei ehemalige Schulen, die steinwurfweit auseinanderlagen, und erhielt  später zwei  Neubauten: Das Zentralgebäude (1995) und das Oberstufengebäude (1998).
Die Schule war bereit, eine Pädagogik zu entwickeln, die sich die Gebäude, in und mit denen sie arbeitete, zu eigen machte. Sie musste dafür ihre Ziele klar formulieren und auch Prioritäten setzen, was für räumliche Voraussetzungen einerseits gegeben und andererseits notwendig waren, um die Umsetzung eines pädagogischen Konzeptes zu unterstützen bzw. zu ermöglichen.
Drei Personen trugen im Vorfeld entscheidend zur Verwirklichung der pädagogisch-architektonischen Ideen bei. Initiator war Gründungsschulleiter Ulrich Freiherr von Medem, der den von der Stadt beauftragten Architekten Günter Quasten sowie den damaligen Grevenbroicher Bürgermeister Gottfried Bernrath mit ins Boot holte. Durch diese Symbiose war und wurde die Architektur Teil der pädagogischen Konzeption: Die gegebene und die neue architektonische Gestalt sollten die erzieherischen Leitlinien der Schule unterstützen. Die Gebäude sollten unter entwicklungsbezogenen Gesichtspunkten genutzt werden. Der vorausgegangene Prozess, der alle am Schulbau Beteiligten aus Schule, Planung und Verwaltung zusammengeführt hatte, trug sehr schnell Früchte. Doch wie sahen die aus?

Die beiden vorhandenen Gebäude sollten die Sekundarstufe I beheimaten. Sie hatten jeweils drei Etagen mit vier Klassenräumen und einigen kleinen Nebenräumen. So gab es fortan das „Haus der Kinder“ für die Jahrgänge 5 bis 7 und das „Haus der Jugendlichen“ für die Acht- bis Zehntklässler. Bewusst wurde auf ein allgemeines Lehrerzimmer verzichtet, und die hauptsächlich in den Jahrgängen unterrichtenden Lehrer bezogen dort, je Jahrgangsstufe, eine Lehrerstation.
Bezogen auf die Sekundarstufe I gab es nun zwei kleine Schulen in der großen Schule und darin jeweils den einzelnen Jahrgang, räumlich getrennt von den anderen Jahrgängen. Das ist so vorstellbar:
Vier Klassen (ca. 120 Schüler) befinden sich auf einem Jahrgangsflur. Ihnen angegliedert ist die zugehörige Lehrerstation, in der im Idealfall acht Lehrer, die sogenannten Teamlehrer, ihren Arbeitsraum haben. Bedingt durch die Vierzügigkeit der Schule bilden zwei Klassen mit vier Lehrern jeweils ein Team, und so gibt es zwei Teams pro Jahrgang. Dabei förderte die enge räumliche Bindung der Schüler und ihrer Lehrer von Anfang an Teamgeist und führte zu wenig Konflikten und gutem Dialogverhalten. Sekundärtugenden wie Hilfsbereitschaft, Ordnung und Freundlichkeit hatten und haben, gegeben durch die Gebäude-Arrangements und die damit einhergehenden separaten Schulhöfe, hervorragende Bedingungen, um zu gedeihen. Mit hoher Unterstützung der anfänglichen Jahrgangskollegien konnte  ein schulischer Rahmen unter entwicklungsbezogenen Gesichtspunkten für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene organisiert werden. Des weiteren wurde eines der neuen Gebäude   zum „Haus der jungen Erwachsenen“ deklariert. Es sollte die Oberstufenschüler beherbergen.
Altersspezifische Regeln und Rituale spielen und spielten in allen Häusern eine wesentliche Rolle. Die Belegung des Oberstufengebäudes fiel allerdings, bedingt durch die für eine Gesamtschule nicht erwartete große Anzahl von Oberstufenschülern und trotz einer Erweiterung von zwei Pavillon-Räumen, ziemlich bald aus dem Rahmen. Derzeit befinden sich Kursräume von Oberstufenschülern in sämtlichen Häusern und verhindern so eine komfortablere Nutzung der angedachten Fachräume, beispielsweise für Musik. Auch mit der Einrichtung von Seiteneinsteigerklasse, die im Haus der Kinder untergebracht sind, sowie anderer Dringlichkeiten, verschärft sich die Platzraumnot weiter. Doch trotz dieser Widrigkeiten ist es der jetzigen Schulleiterin, Dagmar Mitze, gelungen, die konzeptionelle Dezentralisierung der drei Häuser aufrecht zu erhalten und ein gutes Gleichmaß zu finden.

Im „Haus der jungen Erwachsenen“, einem der beiden neu errichteten Gebäude, entstand mit einer großzügigen Eingangsebene – bedingt durch viel Glas und der baulichen Möglichkeit, Räume zu öffnen – ein Begegnungsort für alle Schüler der Sekundarstufe II. Das Haus war und ist auch Rückzugsort für Kontemplation und selbstverantwortliches Arbeiten in der  Bibliothek (ehemals) und derzeit im Selbstlernzentrum (obwohl noch im Aufbau befindlich). Ebenso waren im ersten Stock des Oberstufengebäudes Architektur und Pädagogik ein wesentliches Element der Planung. Ein durch einen Lichtschacht sehr heller Flurbereich sollte Kommunikationsbereich sein, der mit dem verglasten Aufenthaltsraum (Oberstufen-Café) und den Kursräumen als Arbeitsbereich, korrespondierte.

Das vierte Gebäude, das Zentralgebäude, schließlich führt alle Fäden zusammen. In ihm befinden sich im Obergeschoss die Verwaltungsräume der Schulleitung und die Naturwissenschaftsräume.
Die Eingangsebene z. B. wird von der Mensa und dem sogenannten „Forum“ dominiert. Die Mensa ist durch die großen Fenster und die gläserne Begrenzung zum Flur  lichtdurchflutet und von drei Seiten gut einsehbar. Der breite Flur, der als Galerie genutzt werden kann, profitiert vom Lichteinfall des gläsernen Daches des einstöckigen Gebäudes. Er kann beidseitig durch mobile Trennwände geöffnet werden. Damit wird bei Bedarf eine Öffnung sowohl zur Mensa als auch zum Forum, dem Herzstück des Zentralgebäudes, ermöglicht.
Auch die Einrichtung der Mensa mit mobilen Unterteilungen, niedriger Decke und abgehängter Beleuchtung war gewollt, um die Kommunikation an den Tischgruppen zu unterstützen. Die Mensa bietet mit ihren Gruppentischen ca. 180 Schülern Platz zum Essen. Das gemeinsame Mittagessen, das für alle Schüler bis Jahrgang 6 verbindlich ist, steht ebenso für Betreuung und Erziehung und hilft bei der Gestaltung des Ganztags, damit Schüler  erzieherische und altersangemessene Rituale kennen lernen.
Auch der Name „Forum“ wurde bewusst gewählt, um zu verdeutlichen, dass dies der Ort ist, an dem sich die Schulgemeinde versammelt. Und das geschieht sehr häufig. Die Architektur des Forums, das als Rundbau innerhalb eines rechtwinkligen Gebäudes konzipiert wurde, unterstreicht den Marktcharakter. Durch eine flexible Bestuhlung und die Möglichkeit der Erweiterung bis zur Mensa-Ebene kann das Forum für die unterschiedlichsten schulischen Aktivitäten genutzt werden. Zugleich liefert das (abgetrennte und auch für Übungszwecke verfügbare) Rundtheater als hoher Raum mit dem entsprechenden Fassungsvermögen die notwendige Grundlage, um unterschiedlichste Aktivitäten realisieren zu können. Durch die Möglichkeit einer Präsentationskultur unterstützt das Zentralgebäude mit seinem Forum die Entwicklung von fachlichen und persönlichen Kompetenzen ganz erheblich. Die Schüler haben in Abteilungsversammlungen, Themenwochen, den Veranstaltungen der „Sozialen Verantwortung“, bei den Kulturtagen, dem Science Day, etc. die Möglichkeit der Darbietung vor Publikum.
Dank seiner klassischen Bühne, der Empore im oberen Stockwerk und der guten Licht- und Tontechnik, wird das Forum zusätzlich für Theateraufführungen oder Themenabende der Stadt zum öffentlichen Auftrittsort.

Erwähnenswert sind schließlich noch zwei Verbindungslinien, die vom Zentralgebäude ausgehen und eine schulprogrammatische Rolle spielen. Über die im 1. Stock befindliche gläserne Brücke vom „Haus der Jungen Erwachsenen“ zum Zentralgebäude hin ist eine stärkere Nähe zu den NW- Räumen (Schwerpunkt) gegeben. Und auch der ebenerdige Verbindungsweg zum Fachraumflügel der Abteilung I – inklusive der Platzierung des Schulgartens als Experimentierraum im Freien – war kein architektonisch-pädagogischer Zufall.
Abschließend könnte aus der Qualitätsanalyse des Landes NRW, die die Besonderheit der auf die Architektur abgestimmtem Pädagogik hervorhebt, zitiert werden, doch treffender sagt es ein Satz eines Schülers. „Die Schule ist für mich wie mein Zuhause.“

Kontakt

Käthe-Kollwitz-Gesamtschule Grevenbroich
Hans-Böckler-Straße 19
41515 Grevenbroich


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