Joan und Mari besuchen die KKG

Zum wiederholten Male kamen die Töchter der Holocaustüberlebenden Liesel Katz extra aus England, um die Heimatstadt ihrer Eltern zu besuchen. Seit einigen Jahren sind die Treffen mit „KKG – Gegen das Vergessen“ fester Bestandteil des Programmes der rüstigen Damen. Allein Joan besuchte die Projektgruppe seit 2019 schon zum vierten Mal. Ein Ende dieser schönen Beziehung scheint auch nach diesem erlebnisreichen Aufeinandertreffen nicht in Sicht.

Nachdem Schulleiter Hannes Mogias die Ehrengäste mit ihren Ehemännern Steve und Rob herzlich im Schulforum begrüßte, präsentierten ProjektschülerInnen von „KKG – Gegen das Vergessen“ einige Erinnerungen an vorherige Treffen und die geleistete Projektarbeit, die in Zusammenhang mit Familie Katz steht. Die interessierte Zuhörerschaft bestand aus allen Englischoberstufenkursen, inklusive diverser EnglischlehrerInnen.

Höhepunkt der Veranstaltung war die folgende Präsentation über die schicksalhafte Familiengeschichte der aus Grevenbroich stammenden Familie, wohlgemerkt auf Englisch. Tatkräftige Unterstützung bekamen die Britinnen hierbei von Ulrich Herlitz, seines Zeichens Initiator des Treffens und Vorsitzender des hiesigen Geschichtsvereins.

Während des kurzweiligen Vortrages hätte oftmals die berüchtigte Stecknadel gehört werden können; gepaart mit nachdenklichen und beeindruckten Gesichtern der jungen Erwachsenen. Das war kein Zufall, da sich die sämtliche OberstufenschülerInnen zuvor schon im Unterricht solide auf den Besuch der Ehrengäste aus dem vereinigten Königreich vorbereitet hatten.

Nach der Veranstaltung im Forum ging es in der Schulmensa mit einem regen Austausch in freundschaftlicher Atmosphäre weiter. Hier wurden zudem noch einige Fragen zum Vortrag im Forum oder auch teilweise aus dem Unterricht heraus entstandene Fragen gestellt – und beantwortet.

Zudem erhielten Joan und Mari noch ein paar Gastgeschenke und jeweils ein Gemälde, das die Projektschülerin Katrin Mouris zuvor liebevoll über Wochen angefertigt hatte. Zu den Kunstwerken wurden Texte mit jeweiliger Intention verlesen. Die Schwestern waren über diese Gedanken und grundsätzlich über die Wertschätzung der jungen Menschen aus der Heimatstadt ihrer Vorfahren dermaßen ergriffen gewesen, sodass sie teilweise sprachlos waren. Später versprachen sie der Projektgruppe, dass die Bilder einen Ehrenplatz bekämen. Ein Grund für Joans erneuten Besuch war übrigens auch das Kunstwerk „Friedensengel“, das sie beim letzten Besuch wegen der Größe nicht im Flugzeug mit auf die Insel nehmen konnte.

Anschließend präsentierten einige ProjektschülerInnen noch ihre Entwürfe für ein angestrebtes zentrales Holocaustmahnmal auf den Synagogenplatz in der Stadtmitte. Hier soll auch explizit den Vorfahren der Ehrengäste gedacht werden: denn bis auf ihre Mutter Liesel Katz, die als jüdisches Mädchen in der Hitlerzeit in Grevenbroich Tagebuch geschrieben hatte, wurden fast alle Verwandten im Holocaust ermordet.

Nach einer Mittagspause fuhr eine Abordnung noch zum jüdischen Friedhof nach Willich-Schiefbahn. Eine große Menge der dortigen Grabsteine auf dem unscheinbaren Grundstück am Rande einer Wohnsiedlung wurde 1957 von Frimmersdorf und Gustorf hierher verlegt. Dieser Umstand erklärt auch die Existenz des Vorfahren Grabes der Grevenbroicher Familie Katz fernab des Heimatortes. Mit dem Kaddisch-Gebet endete das Gedenken auf dem Friedhof.

Das folgende gemeinsame Eisessen und Kaffeetrinken rundete den ereignisreichen Tag ab. Die Projektschülerinnen Jana und Blessing, die den ganzen Tag mit den unterhaltsamen Gästen verbracht hatten, ziehen ein erfülltes Fazit: „Der Tag war für uns total schön, abwechslungsreich und lehrreich zugleich. Wir hoffen, dass es Joan und Mari bei uns ebenfalls gefallen hat.“ Ulrich Herlitz und Projektleiter Thomas Jentjens ergänzen: „Dank der Projektarbeit der SchülerInnen denken wir, dass Joan und Mari mit dem Gefühl nach Hause fahren, dass sich in der Heimat ihrer Vorfahren viele junge Menschen weiterhin dafür einsetzen, dass ihren Vorfahren ehrwürdig gedacht werden wird. Das ist nicht hoch genug wertzuschätzen.“

Bei der Verabschiedung zeigten sich Joan und Mari sowie ihre Ehemänner nochmals beeindruckt vom Engagement der ProjektschülerInnen und zugleich von der herzlichen Gastfreundschaft der gesamten KKG – Gemeinde. Voller Zuversicht und glücklich stellten sie fest: „We will come back to you, dear KKG-people – for sure!“

Herzlicher Dank an alle, die zum Gelingen des ergreifenden Besuches von Joan und Mari an und mit der KKG beigetragen haben:

Jana Bindewald, Blessing Okoebor, Leni Mujagic, Uta Lindenlauf, Simon Schotten, Alicia Schwantes, Nele Samel, Eva Robbel, Emely und Cathy Praum, Chiara Rauh, Keno Holzportz mit Julia Kuhnert, Katrin Mouris, Jannik Weuffen, Théo Braune-Sellier, Lena Oesterwind, Jethro Amegnaho sowie Lorena Cordero-Ramon (alle „KKG – Gegen das Vergessen“).

Zudem herzlicher Dank an Jutta Eschert, Bettina Töllner und die Fachschaft Englisch sowie an Schulleiter Hannes Mogias.

Herzlicher Dank an Jaydon Moog fürs Dolmetschen; die Forumtechnik sowie Corina Bindewald für Fotos, Filme und den Fahrdienst nach Willich.

Abschließender Dank gilt Ulrich Herlitz und natürlich Joan Noble mit ihrem Ehemann Steve sowie Mari Bruce mit ihren Ehemann Rob.

Epilog

„Für das Böse reicht es, wenn die Guten nichts tun!“

Ein Hoch auf die ProjektschülerInnen von „KKG – Gegen das Vergessen“, die sich nunmehr seit vielen Jahren – in einer denkwürdigen Zeit – unnachgiebig gegen Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus einsetzen.

In Gedanken und in Gedenken an die Opfer des antisemitischen Anschlages am Bondi Beach, in der Nähe von Sydney (Australien), bei dem 15 Menschen aufgrund ihres jüdischen Glaubens während des Chanukkafests ermordet wurden.

(JEN)