
Den Höhepunkt im Rahmen des diesjährigen Anne Frank Projektes bildete sicherlich der Besuch von Hanni Paschek-Dahl, die am Anne Frank Tag im Schulforum den ergriffenen SchülerInnen die Erinnerungen ihrer Mutter Irene ans Herz legte. Zudem bereicherten diverse Beiträge der ProjektschülerInnen von „KKG – Gegen das Vergessen“ in Form einer Werkschau die diesjährige Veranstaltung am bundesweiten Gedenktag für Anne Frank – gleichzeitig Aktionstag gegen Antisemitismus, Ausgrenzung und Rassismus.
In seiner Begrüßungsrede, in der er den Ehrengast herzlich begrüßte, hob Schulleiter Hannes Mogias seinerseits die Wertigkeit der Veranstaltung „gerade in Zeiten wie diesen“ hervor. Zudem lobte er ausdrücklich die nachhaltige Projektarbeit von „KKG – Gegen das Vergessen“ und des hiesigen Geschichtsvereins, vertreten durch Ulrich Herlitz; gleichzeitig auch wie so oft mitveranstaltender Kooperationspartner der KKG-Projektgruppe.

Hanni Paschek-Dahl kam aus Dormagen zur KKG, um über das leidvolle Schicksal ihrer Mutter, die als Kind und Jugendliche den Holocaust überlebte, zu berichten. Die Erinnerungen von Irene Dahl, die 1926 in Wickrath, das damals zum Kreis Grevenbroich gehörte, geboren wurde, beginnen mit den Worten: „Schon lange habe ich mir vorgenommen mein Leben aufzuschreiben, um es fuer meine Nachwelt zu erhalten, zu Zeigen wieviel man in der Welt ertragen kann und muss ohne daran zu zerbrechen!“
Beim Zuhören der vorgetragenen Erinnerungen, gespickt mit Schikanen, Demütigungen, Entwürdigungen sowie der unzähligen Verbrechen im Umfeld des jüdischen Mädchens, sowohl im damaligen Kreis Grevenbroich als auch später im Ghetto in Riga oder im KZ Stutthof, schien es wiederholt wie ein Wunder, dass es das abscheuliche Grauen namens Holocaust überhaupt überleben konnte.

Nicht nur den etwa 150 SchülerInnen, alle etwa im Alter der sich damals im Martyrium befindenden Irene Dahl, stockte wiederholt der Atem. Auch Frau Paschek-Dahl unterbrach ihre 50minütige Lesung wiederholt, um einigen Tränen freien Lauf zu lassen. Die Erinnerungen berühren die herzliche Dame bei jeder Lesung aufs Neue. Wie abgründig gemein können Menschen sein? Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Was mussten meine Mutter und ihre Leidensgenossinnen ertragen? Warum unternahmen die wenigsten Menschen aus unserer Gesellschaft wenig bis gar nichts? Fragen über Fragen, die Schockstarre und gebanntes Zuhören zugleich nach sich zogen. Im Schulforum war die Atmosphäre angespannt, jedoch so still, dass immer mal wieder vereinzelt belanglose Nebengeräusche vom Schulhof durch die Stille dringen konnten.
Als Frau Paschek-Dahl einmal über die erschütternden Ereignisse im KZ Stutthof vorlas, stockte ihr Atem und ihre Stimme zugleich. Die aufmerksamen SchülerInnen standen teilweise sofort auf und brachten dem sichtlich mitleidenden Ehrengast großen Applaus entgegen. Mit dieser wunderbaren Geste wollten die empathischen SchülerInnen ihre Anteilnahme und Verbundenheit sowie Dank und Respekt ausdrücken. Sicherlich ein sehr starker, wenn nicht sogar „der Moment“ der Veranstaltung.
Die NGZ berichtet über den Besuch von Hanni Paschek-Dahl an der KKG und ihr bemerkenswertes Familienschicksal in folgendem Artikel:
Die Vorbereitung auf die Anne Frank Tag Veranstaltung bildete neben der Anne Frank Zeitung erneut die Plakatausstellung im Forum. Denn die hochwertigen Materialien werden jedes Jahr dankenswerterweise vom Berliner Anne Frank Zentrum zur Verfügung gestellt. Hierdurch konnten insgesamt auch in diesem Jahr über dreihundert SchülerInnen diverser Jahrgänge vielseitig gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus sensibilisiert werden.

Eine Werkschau, die die Kreativität der ProjektschülerInnen einmal mehr unterstreicht, komplettierte die abwechslungsreiche Veranstaltung, die Projektleiter Thomas Jentjens mit einer abschließenden Danksagung an alle Beteiligten, beendete.
Hier werden stellvertretend zwei Werke präsentiert:

Gemälde „MundTOD, gesichtslos und entrechtet“ (von Katrin)

Modellbau „Anne Franks Zimmer“ (von Kira)

Die wertschätzende Auszeichnung aus Berlin rundete das geleistete Engagement aller Beteiligten nochmals ab.
Das Wort soll an dieser Stelle erneut Irene Dahl haben. Sie beendete ihre Erinnerungen, die sie ihrer Familie im Januar 1979 in Form eines Büchleins übergab, mit folgendem ans Herz gelegten Rat:
„Nun liebe Kinder, Enkelkinder und alle die meine Erinnerungen gelesen haben. Niemand weiss was einem im Leben bevorsteht, wenn Ihr unzufrieden seid und glaubt das Leben nicht mehr meistern zu koennen, denn nicht immer ist alles eitler Sonnenschein, dann nehmt Euch einmal dieses Büchlein zur Hand. Vielleicht kann es Euch dann wieder aufrichten um neue Kraft zu schoepfen. Wenn Ihr überlegt wieviel Ich ertragen musste, nur um das bisschen Leben über die Buehne zu bringen.“
Nicht erst durch diese lehrreichen Schlussworte, sondern schon zuvor hatte Hanni Paschek-Dahl die Herzen der Schülerschaft gänzlich erobert. Entsprechend emotional, herzlich und geduldig antwortete sie nach ihrer Lesung auf diverse Fragen, in denen sich erneut Respekt, Wärme und Hochachtung ausdrückten. Hierauf sichtlich ergriffen bedankte sich der rüstige Ehrengast für die Empathie und die Aufmerksamkeit der gesamten Käthe-Kollwitz-Gesamtschule.
Der Besuch von Frau Paschek-Dahl zeigte eine in dieser Form nicht oft vorkommende Nachhaltigkeit bei den beeindruckten SchülerInnen: Insgesamt schrieben nämlich nicht weniger als 62 SchülerInnen persönliche Dankesbriefe an sie. In den Briefen drückten die SchülerInnen abermals vielseitig ihre Bewunderung für die liebenswerte Dame und ihre Mutter Irene aus (siehe eine Auswahl auf dem Titelbild oben!).
Die Briefe wurden zwischenzeitlich in einem dicken Umschlag nach Dormagen geschickt. Auf diese Überraschung reagierte Frau Paschek-Dahl mit einer Dankesnachricht, in der sie sichtlich gerührt verlauten ließ, dass sie noch nie in ihrem Leben solch eine schöne Wertschätzung erhalten habe.
Zudem versprach sie erfreulicherweise, unbedingt weiter mit der Projektgruppe in Kontakt bleiben und weitere Veranstaltungen begleiten zu wollen.
Eine tolle Gelegenheit für das nächste Aufeinandertreffen könnte die Übergabe des wunderschön gelungenen Hanni Paschek-Dahl – Portraits sein! Das Kunstwerk hat die umtriebige Projektschülerin Cathy als Dankeschön angefertigt.

Wunschtermin der Projektgruppe für ein Treffen inklusive Portraitübergabe wäre der 16. Mai 2026. An diesem Tag wäre Irene Dahl 100 Jahre alt geworden…
Abschließend nochmals ganz herzlicher Dank an Hanni Paschek-Dahl sowie an alle Beteiligten, die zum Gelingen dieses einzigartigen Anne Frank Tages beigetragen haben.
(JEN)
